Interpretation: Drama (Ausschnitt)

Beispiele zu Goethes Faust.
a) Prolog im Himmel
b) Marthens Garten
2. Beispiel (zu Schiller: Maria Stuart)
3. Beispiel (zu Büchner: Woyzeck)


1. Beispiel

Aufgabe a)

Die Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles (Faust I, Vv. 271 – 353)

  1. Interpretieren Sie den genannten Ausschnitt aus Goethes Faust. Berücksichtigen Sie dabei insbesondere den inhaltlichen Zusammenhang mit dem Gesamtwerk, die sprachliche Form, biblische Quellen und wiederkehrende Leitmotive und deren Bedeutung.
  2. Stellen Sie das unterschiedliche Menschenbild des Herrn und Mephistopheles' dar.
Die Arbeitszeit beträgt 180 Minuten.


Beispielgliederung mit Erwartungshorizont:

A. Faust — eine deutsche Tragödie (Daten und Fakten zur Entstehungsgeschichte; Hinführung zur Szene „Prolog im Himmel„)
B. Der „Prolog im Himmel”, dritter von drei Prologen

  1. Das Geschehen im Himmel als mystische Grundlage der Fausthandlung (Inhaltsangabe: Anrede Gottes – Bescheidenheit Mephistos – Herabwürdigung des Menschen; Aufbau in zwei Teilen: Gesang der Engel + Dialog Herr/Mephisto)
    Hinweis Gottes auf Faust: Lob Fausts vs. Verspottung/Verachtung Fausts
    Wette zwischen Gott und Teufel um Fausts Seele
    Hinwendung Gottes zu den echten Gottessöhnen
    Respektloses Schlusswort Mephistos
  2. Inhaltliche Einordnung: Letzter von drei Prologen (Zueignung, Vorspiel auf dem Theater)
    → überirdischer Rahmen für die Fausthandlung
    Lenkung des Blicks auf Faust
    Es folgt der Eingangsmonolog (Szene Nacht), in dem Faust die Einschätzung Mephistos zu bestätigen scheint. Das Drama nimmt seinen Lauf.
  3. Zur sprachlichen Form:
    1. Versdrama. 3 ½ Strophen Gesang der Engel in ewig-gleichförmigen Knittelversen: Lob der Schöpfung
    Einwände Mephistos in unruhigen Madrigalversen; Der Herr: Stellt Fragen: Umarmender Reim mit Mephisto (Vv. 296-299); Kreuzreim bei der Wette usw.
    3. Sprachliche Mittel:
    – Sentenzen: V. 281, 310f., 317, 327f.; Sentenzen als ewig gültige Weisheit des Herrn bzw. Haltung Mephistos [z.B. „Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt, Dass Blüt und Frucht die künft'gen Jahre zieren.“ V. 310f.: Allweisheit Gottes; „Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.“ V. 328: Gefährdung des Menschen]
    – Personifikationen: Die Sonne tönt, V. 243: Vermenschlichung der unbelebten Schöpfung
    – Nachgestelltes Genitivattribut: In Brudersphären Wettgesang, V. 244: Beschwörung einer altertümlichen Atmosphäre (in Verbindung mit mittelalterlichen Knittelversen!)
    – Gegensätze: Paradieseshelle vs. Tiefe Nacht, V. 253f., Meer und Fels, V. 255f.: Blick auf die Gesamtheit
    – Chiasmus: vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer, V. 260: Untrennbare Verschränkung disparater Phänomene
    – Metaphern: Z.B.: Gesinde V. 274: Untergebener Gottes; der kleine Gott der Welt V. 281,
    – Vergleiche: Z.B. Wie eine der langbeinigen Zikaden V. 288, Wie Katz und Maus V. 322, Wie meine Muhme V. 334
    – Antithesen: Sonn und Welten vs. Menschen V. 279f., jetzt vs. Bald V. 308, großer Herr vs. Teufel V. 352f.
  4. Bibl. Quellen: Gott und der gefallene Engel Luzifer (→ Mephistopheles), Schlange (Verführerin im Paradies) als Großmutter (→ Muhme) des Teufels
    Buch Hiob: Gott gewährt dem Teufel, einen guten Menschen zu versuchen, aber der Mensch bewährt sich.
  5. Wiederkehrende Leitmotive als inhaltliche Klammer der Szenenfolge:
    – Tiermetaphorik: Mephisto steht unter dem Menschen! V. 286, 288, 322, 335
    – Harmonie/Musik (Zueignung: Äölsharfe, hier V. 243, Lied vom König in Thule usw.): Ausgleich und Ruhe
    – Wasser/Trockenheit (Zueignung: Tränen, hier hier V. 255.324.334 u.a.): Leben vs. Tod
    – Verirrung (Zueignung: Labyrinth, hier V. 284f., 297, 302, 308, 317, 328f., 348 Schülerszene usw.): menschlicher Lebensweg
    – Nord-Süd-Gegensatz (Zueignung: Dunst und Nebel vs. Äolsharfe; hier: Paradies [Süden] vs. Gotisches Studierzimmer[Norden]
  6. Menschenbilder:
    1. Der Herr: Glaubt an das Gute im Menschen, besonders in Faust: Knecht, weiß, dass er Blüte und Frucht bringen wird, sieht ihm Irrtümer nach, kennt das Gewissen der Menschen. → Sieht den ganzen Menschen!
    2. Mephisto: Sieht die Überheblichkeit des Menschen (kleiner Gott der Welt), Missbrauch des Verstandes, Misserfolge, Plage und Jammer, Tollheit, Unzufriedenheit, Verführbarkeit, Schwachheit. → nur der schlechte Teil des Menschen!
  7. Gesamtinterpretation: Aufbau der dramatischen Spannung: Gelingt es Mephisto, Faust zu verführen? Oder behält der allwissende Gott Recht? Faust als Prototyp des Menschen: Forscherdrang, Unruhe, Verführbarkeit.

Aufgabe b)

Interpretieren Sie den unten angegebenen Text. Berücksichtigen Sie dabei die im Unter­richt besprochenen Aspekte der Textinterpretation und halten Sie sich an die im Unterricht bespro­chene und geübte Form der Interpretation.
Die Arbeitszeit beträgt 135 Minuten.

Text:

Goethe, Faust I, Marthens Garten (Vv.3413-3544)


Gliederungsbeispiel

  1. Goethes Arbeit an Faust
  2. Das Religionsgespräch in Marthens Garten
    1. Religionsgespräch und Mephistos Kommentar dazu
    2. Entwicklung der Gesprächsführung
    3. Sprachliche Auffälligkeiten in Auswahl [Sentenz (V. 3415, …), Versform und Metrik in Beispielen, Tiermetaphorik (V. 3483, 3521)]
    4. Einordnung der Szene in das Drama [Geschehen vorher und nachher]
    5. Literarhistorische Einordnung [Sturm und Drang, klassische und romantische Züge]
    6. Bedeutung der Szene für das Seelenheil von Faust und Margarethe
  3. Gretchenfragen heute [Z.B. wie halten wir's mit der Genforschung, Tierhaltung, Atomkraft, Klimaschädigung etc.]


Ausführung

Argumentierender Aufsatz, der sich an die Gliederung hält. Aussagen sollen durch Zitate belegt werden. Das sprachliche Niveau soll der Textvorlage angemessen sein. Umfang ca. 5-6 Seiten.


nach oben


2. Beispiel: Schiller, Maria Stuart, IV. Aufzug, 11. Auftritt (Elisabeth. Davison)

Aufgabe

Interpretieren Sie den unten angegebenen Text. Berücksichtigen Sie dabei die im Unter­richt besprochenen Aspekte der Textinterpretation und halten Sie sich an die im Unterricht bespro­chene und geübte Form der Interpretation. Gehen Sie neben anderen Aspekten auch auf den Grund für den genannten „Blutbefehl” ein!
Die Arbeitszeit beträgt 135 Minuten.


nach oben


3. Beispiel: Zu Büchner: Woyzeck

Aufgabe

  1. Erschließen und interpretieren Sie den Textauszug aus Georg Büchners (1813-37) "Woyzeck" (1836, Text A) nach Inhalt und Form! Gehen Sie dabei besonders auf Dramaturgie, die Gesprächsführung und das Menschenbild der handelnden Personen ein!
  2. Legen Sie dar, inwieweit Büchner in seinen Briefen an die Familie (Texte B) Themen und Motive seines Dramas "Woyzeck" anspricht.
  3. Zeigen Sie, wie sich in der Entstehungsgeschichte "Woyzecks" und in der vorliegenden Textgestalt der beginnende Realismus spiegelt.
Viel Erfolg!

Text A: Georg Büchner: Woyzeck

Beim Hauptmann

Hauptmann auf dem Stuhl, Woyzeck rasiert ihn.

Hauptmann: Langsam, Woyzeck, langsam; eins nach dem andern! Er macht mir ganz schwindlig. Was soll ich dann mit den 10 Minuten anfangen, die Er heut zu früh fertig wird? Woyzeck, bedenk Er, Er hat noch seine schönen dreißig Jahr zu leben, dreißig Jahr! Macht dreihundertsechzig Monate! und Tage! Stunden! Minuten! Was will Er denn mit der ungeheuren Zeit all anfangen? Teil Er sich ein, Woyzeck!

Woyzeck: Jawohl, Herr Hauptmann.

Hauptmann: Es wird mir ganz angst um die Welt, wenn ich an die Ewigkeit denke. Beschäftigung, Woyzeck, Beschäftigung! Ewig: das ist ewig, das ist ewig – das siehst du ein; nur ist es aber wieder nicht ewig, und das ist ein Augenblick, ja ein Augenblick – Woyzeck, es schaudert mich, wenn ich denke, daß sich die Welt in einem Tag herumdreht. Was 'n Zeitverschwendung! Wo soll das hinaus? Woyzeck, ich kann kein Mühlrad mehr sehen, oder ich werd melancholisch.

Woyzeck: Jawohl, Herr Hauptmann.

Hauptmann: Woyzeck, Er sieht immer so verhetzt aus! Ein guter Mensch tut das nicht, ein guter Mensch, der sein gutes Gewissen hat. – Red er doch was Woyzeck! Was ist heut für Wetter?

Woyzeck: Schlimm, Herr Hauptmann, schlimm: Wind!

Hauptmann: Ich spür's schon. 's ist so was Geschwindes draußen: so ein Wind macht mir den Effekt wie eine Maus. – Pfiffig: Ich glaub', wir haben so was aus Süd-Nord?

Woyzeck: Jawohl, Herr Hauptmann.

Hauptmann: Ha, ha ha! Süd-Nord! Ha, ha, ha! Oh, Er ist dumm, ganz abscheulich dumm! – Gerührt: Woyzeck, Er ist ein guter Mensch – aber – Mit Würde: Woyzeck, Er hat keine Moral! Moral, das ist, wenn man moralisch ist, versteht Er. Es ist ein gutes Wort. Er hat ein Kind ohne den Segen der Kirche, wie unser hochehrwürdiger Herr Garnisonsprediger sagt – ohne den Segen der Kirche, es ist ist nicht von mir.

Woyzeck: Herr Hauptmann, der liebe Gott wird den armen Wurm nicht drum ansehen, ob das Amen drüber gesagt ist, eh er gemacht wurde. Der Herr sprach: Lasset die Kleinen zu mir kommen.

Hauptmann: Was sagt Er da? Was ist das für eine kuriose Antwort? Er macht mich ganz konfus mit seiner Antwort. Wenn ich sag': Er, so mein' ich Ihn, Ihn –

Woyzeck: Wir arme Leut – Sehn Sie, Herr Hauptmann: Geld, Geld! Wer kein Geld hat – Da setz einmal eines seinesgleichen auf die Moral in der Welt! Man hat auch sein Fleisch und Blut. Unsereins ist doch einmal unselig in der und der andern Welt. Ich glaub', wenn wir in Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen.

Hauptmann: Woyzeck, Er hat keine Tugend! Er ist kein tugendhafter Mensch! Fleisch und Blut? Wenn ich am Fenster lieg', wenn's geregnet hat, und den weißen Strümpfen nachseh', wie sie über die Gassen springen – verdammt, Woyzeck, da kommt mir die Liebe! Ich hab' auch Fleisch und Blut. Aber, Woyzeck, die Tugend! Die Tugend! Wie sollte ich dann die Zeit rumbringen? Ich sag' mir immer: du bist ein tugendhafter Mensch – gerührt: –, ein guter Mensch, ein guter Mensch.



Beim Doktor

Woyzeck. Der Doktor.

Doktor: Was erleb' ich, Woyzeck? Ein Mann von Wort!

Woyzeck: Was denn, Herr Doktor?

Doktor: Ich hab's gesehn, Woyzeck; er hat auf die Straß gepisst, an die Wand gepisst, wie ein Hund. – Und doch drei Groschen täglich und die Kost! Woyzeck, das ist schlecht; die Welt wird schlecht, sehr schlecht!

Woyzeck: Aber, Herr Doktor, wenn einem die Natur kommt.

Doktor: Die Natur kommt, die Natur kommt! Die Natur! Hab' ich nicht nachgewiesen, dass der Musculus constrictor vesicae dem Willen unterworfen ist? Die Natur! Woyzeck, der Mensch ist frei, in dem Menschen verklärt sich die Individualität zur Freiheit. – Den Harn nicht halten können! – Schüttelt den Kopf, legt die Hände auf den Rücken und geht auf und ab. – Hat Er schon seine Erbsen gegessen, Woyzeck? Nichts als Erbsen, cruciferae, merk Er sich's! Es gibt eine Revolution in der Wissenschaft, ich sprenge sie in die Luft. Harnstoff 0,10, salzsaures Ammonium, Hyperoxydul – Woyzeck, muss Er nicht wieder pissen? Geh Er einmal hinein und probier Er's!

Woyzeck: Ich kann nit, Herr Doktor.

Doktor mit Affekt: Aber an die Wand pissen! Ich hab's schriftlich, den Akkord in der Hand! – Ich hab's gesehen, mit diesen Augen gesehen; ich steckt' grade die Nase zum Fenster hinaus und ließ die Sonnenstrahlen hineinfallen, um das Niesen zu beobachten. – Tritt auf ihn los: Nein, Woyzeck, ich ärgre mich nicht; Ärger ist ungesund, ist unwissenschaftlich. Ich bin ruhig, ganz ruhig; mein Puls hat seine gewöhnlichen sechzig, und ich sag's Ihm mit der größten Kaltblütigkeit. Behüte, wer wird sich über einen Menschen ärgern, ein' Mensch! Wenn es noch ein Proteus1 wäre, der einem krepiert! Aber, Woyzeck, Er hätte nicht an die Wand pissen sollen –

Woyzeck: Sehn Sie, Herr Doktor, manchmal hat einer so 'en Charakter, so 'ne Struktur. – Aber mit der Natur ist's was anders, sehn Sie; mit der Natur – er kracht mit den Fingern –, das is so was, wie soll ich sagen, zum Beispiel ...

Doktor: Woyzeck, Er philosophiert wieder.

Woyzeck vertraulich: Herr Doktor, haben Sie schon was von der doppelten Natur gesehn? Wenn die Sonn in Mittag steht und es ist, als ging' die Welt in Feuer auf, hat schon eine fürchterliche Stimme zu mir geredt!

Doktor: Woyzeck, Er hat eine Aberratio.2

Woyzeck legt den Finger auf die Nase: Die Schwämme, Herr Doktor, da, da steckt's. Haben Sie schon gesehn, in was für Figuren die Schwämme auf dem Boden wachsen? Wer das lesen könnt!

Doktor: Woyzeck, Er hat die schönste Aberratio mentalis partialis,3 die zweite Spezies, sehr schön ausgeprägt. Woyzeck, Er kriegt Zulage! Zweite Spezies: fixe Idee mit allgemein vernünftigem Zustand. – Er tut noch alles wie sonst? Rasiert seinen Hauptmann?

Woyzeck: Jawohl.

Doktor: Isst seine Erbsen?

Woyzeck: Immer ordentlich, Herr Doktor. Das Geld für die Menage kriegt meine Frau.

Doktor: Tut seinen Dienst?

Woyzeck: Jawohl.

Doktor: Er ist ein interessanter Kasus. Subjekt Woyzeck, Er kriegt Zulage, halt Er sich brav. Zeig Er seinen Puls. Ja.


1 Hier: Lurch, als Versuchstier

2 Hier: Wahnvorstellung

3 Partielle Geistesgestörtheit


Text B: Georg Büchner: Briefe an die Familie.

Aus dem Brief vom 5.4.1833:

Was nennt Ihr denn gesetzlichen Zustand? Ein Gesetz, das die große Masse der Staatsbürger zum fronenden Vieh macht, um die unnatürlichen Bedürfnisse einer unbedeutenden und verdorbenen Minderzahl zu befriedigen? Und dies Gesetz, unterstützt durch eine rohe Militärgewalt und durch die dumme Pfiffigkeit seiner Agenten, dies Gesetz ist eine ewige, rohe Gewalt, angetan dem Recht und der gesunden Vernunft, und ich werde mit Mund und Hand dagegen kämpfen, wo ich kann.

Gießen, im Februar 1834.

[...] Ich verachte Niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, - weil wir durch gleiche Umstände wohl alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen. Der Verstand nun gar ist nur eine sehr geringe Seite unsers geistigen Wesens und die Bildung nur eine sehr zufällige Form desselben. Wer mir eine solche Verachtung vorwirft, behauptet, dass ich einen Menschen mit Füßen träte, weil er einen schlechten Rock anhätte. [...]

Man nennt mich einen Spötter. Es ist wahr, ich lache oft, aber ich lache nicht darüber, wie jemand ein Mensch, sondern nur darüber, dass er ein Mensch ist, wofür er ohnehin nichts kann, und lache dabei über mich selbst, der ich sein Schicksal teile. Die Leute nennen das Spott, sie vertragen es nicht, dass man sich als Narr produziert und sie duzt; sie sind Verächter, Spötter und Hochmütige, weil sie die Narrheit nur außer sich suchen. Ich habe freilich noch eine Art von Spott, es ist aber nicht der der Verachtung, sondern der des Hasses. Der Hass ist so gut erlaubt als die Liebe, und ich hege ihn im vollsten Maße gegen die, welche verachten. Es ist deren eine große Zahl, die im Besitze einer lächerlichen Äußerlichkeit, die man Bildung, oder eines toten Krams, den man Gelehrsamkeit heißt, die große Masse ihrer Brüder ihrem verachtenden Egoismus opfern.

Straßburg, 1.1.1836

Ich komme vom Christkindlesmarkt, überall Haufen zerlumpter, frierender Kinder, die mit aufgerissenen Augen und traurigen Gesichtern vor der Herrlichkeit aus Wasser und Mehl, Dreck und Goldpapier standen. Der Gedanke, dass für die meisten Menschen auch die armseligsten Genüsse und Freuden unerreichbare Kostbarkeiten sind, machte mich sehr bitter. 

nach oben